® SQID

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Angelica Castello, Attila Faravelli, Gudinni, Burkhard Stangl, Mario De Vega

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SQID. Artist In Residence am Kleylehof, 24. bis 27. August 2014

Das österreichisch-mexikanisch-italienische Quartett SQID mit Angélica Castelló, Mario de Vega, Attila Faravelli und Burkhard Stangl existiert seit 2011. SQID thematisiert Live Sound Art und Klangperformances, die herkömmliche Formate von Konzert- und Aufnahmesituationen kaum erlauben. Im Juli 2012 gastierte SQID bei den Nickelsdorfer Konfrontationen in der evangelischen Kirche mit einem vierstündigen installativen Konzert (Stücktitel “240”), das - auf der Soundebene vom Team des Kleylehofs bestens betreut - bei Publikum und Kritik bemerkenswerte Resonanz erfuhr und eine Option zu einer CD-Produktion auf dem russischen Label mikroton zur Folge hatte.

Im August 2014 nahm SQID gerne eine Einladung des Kleylehof-Teams zu einer Artist in Residence am Kleylehof wahr. Im Zuge der Recidency wurden die geplanten CD-Aufnahmen für mikroton realisiert. Special guest von SQID (und des Kleylehof-AiR-Programms) war der mexikanische Medienkünstler Gudinni Cortina, der das Ensemble fotografisch begleitete und auch mehrere “sound donations” beisteuerte.

SQID suchte verschiedenste Orte und Gegenden rund um den Kleylehof für Tonaufnahmen auf und bespielte sie auch, vor allem an und in vernachlässigten öffentlichen und halböffentlichen Räumen und Plätzen entlang der österreichisch-ungarischen Grenze: ein in den 1950er Jahren stillgelegter, aber immer noch gepflegter Friedhof des ehemaligen Guts Kleylehof, daneben ein Jungwald, beides ganz nah an der Grenze; ein Baggersee in Hegyeshalom; ein vergessener, leerer LKW-Parkplatz in der Nähe der Autobahn und der ehemaligen Grenzstation; der Dachboden des Kleylehofs selbst, wo die von dem bildenden Künstler und Musiker Heimo Wallner konstruierten und im Laufe des reheat-Festivals präsentierten riesigen Orgelpfeifen noch vor Ort zu finden und SQID zum freien Bespielen zur Verfügung gestellt worden waren; und allenthalben als permanentes Hintergrundgeräusch das leise Wummern der Windkraftanlage rund um den Kleylehof, samt Infraschallvibrationen.

SQID bezeichnet seine Klangforschungarbeit mit Außenaufnahmen augenzwinkernd bisweilen auch als “fieldrecording-concerts”. Das dabei verwendete, ganz und gar mobile Instrumentarium umfasst Instrumente wie Glocken, Blockflöten, Kassettenrekorder, Toys, akustische und elektrische Gitarren inklusive batteriebetriebenen Verstärker und Unstrumente wie umgebaute Spielzeugmotoren , Mini-Sinusgeneratoren, Transducers, Gadgets und Abtastungsgeräte für hochfrequente elektromagnetische Strahlungen. Genauso kommen gefundene Materialien und verschiedene Essenzen als Klangquellen zum Einsatz, darunter Holz, Glas, Metall, Steine, Wasser oder Sprengstoff.

SQID als Artist in Residence-Künstler am Kleylehof - Arbeit an und Aufnahme von Musik im Feld oder speziellen Räumen also, eingefangen von den Mikrophonen des italienischen Soundtüftlers und Fieldrecording-Spezialisten Attila Faravelli. Parallele Klangebenen tun sich auf, Gleichzeitigkeiten, Schichtungen, Mischungen, Interaktionen zwischen geplanten und zufälligen Zufällen, Kombinationen von den Akteuren artifiziell produzierten Geräuschen mit natürlich-mechanisch-industriellen Klängen, wie sie die Umgebung abstrahlt. Das Rauschen der Welt als Folie für die Musik von SQID, die gewissermaßen nichts anderes als eine Form von bewußt provozierter musikalischer Beiläufigkeit ist.

Burkhard Stangl, im Dezember 2014